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So bringen Sie ihre digitale Transformation in Gang

Erschienen

April 2019

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Alle Unternehmen sind im digitalen Zeitalter angekommen und verfolgen ambitiöse Digitalvorhaben. Aber worauf sollten Sie sich konzentrieren, um einen Mehrwert aus der digitalen Transformation zu schöpfen und diesen zu nutzen? Wir haben uns angesehen, welche Massnahmen erfolgreiche Unternehmen ergreifen und 8 Erfolgsfaktoren der digitalen Transformation zusammengestellt.

Die digitale Transformation zählt heute zu den strategischen Hauptprioritäten der meisten Unternehmen und wird als wichtigste Quelle für Wachstumsmöglichkeiten erkannt, gleichzeitig jedoch auch als eine erhebliche Bedrohung. Unternehmensleitungen hören seit einiger Zeit Geschichten über Disruptionen und werden Zeugen, wie aufkommende Technologien neue Geschäftsmodelle ermöglichen, die Branchen drastisch verändern und die Rangordnung der weltweit wertvollsten Unternehmen auf den Kopf stellen.

Es sind nicht mehr nur Gerüchte, sondern es ist die Realität, an die sich alle Unternehmen anpassen und für die sie eine Herangehensweise finden müssen. Aber so inspirierend das schnelle Wachstum der digitalen «Unicorns» sein mag und so erschreckend Entwicklungen vieler etablierter Unternehmen aussehen mögen, die Opfer der Disruption wurden: Am Ende müssen Entscheidungsträger selbst herausfinden, was das alles für ihr Unternehmen bedeutet. Wie können Sie sich die zahllosen Möglichkeiten der Digitalisierung zu Nutze machen und die technologieorientierte Transformation gewinnbringend nutzen?

Die digitale Transformation ist definiert als ein Prozess der stetigen Weiterentwicklung und Adaption digitaler Technologien, sodass sie unsere Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig prägt

Im Folgenden führen wir die vorgestellten Erfolgsfaktoren der digitalen Transformation aus.

Baukästen zur digitalen Transformation

Strategisches Vorgehen

Um im Unternehmen das Interesse für gemeinsame digitale Bestrebungen zu wecken und es darauf auszurichten, ist es unverzichtbar, eine Vision und eine Strategie festzulegen, die die Richtung vorgeben. Die Strategie sowohl das Mass an Innovation als auch deren Schwerpunktbereiche festlegen. Das können digitale Innovationen sein, um den Umsatz (neue Produkte und Services), die Produktivität (Automatisierung) oder die Kundenbindung (verbessertes Kundenerlebnis) zu verbessern (Abbildung 1). Insbesondere Unternehmen, bei denen die Digitalisierung ein Kernelement ihres Nutzenversprechens darstellt, binden ihre digitale Strategie häufig in ihre Unternehmensstrategie ein. Alles in allem geht es darum, dass die digitale Strategie die Unternehmensstrategie unterstützt am Markt zu gewinnen, indem die Kunden überzeugt werden.

Abbildung 1

Werden Sie wirklich agil

Bei der digitalen Transformation geht es darum, eine hohe Sensitivität für technologische Entwicklungen sowie auch neue Marktanforderungen zu erlangen und damit routiniert umzugehen (siehe Folgepunkt). Dabei wird früh und spielerisch – und damit zu tiefen Kosten – das Potential oder die Gefahr einer Entwicklung erkannt. Wegen der hohen Unvertrautheit muss auch das Paradigma des «Management-Entscheids» fallen: Das Ziel soll sein, zu lernen was am Markt funktioniert anstatt Entscheidungen basierend auf dem heutigen Kenntnisstand der Firma zu fällen. In Folge dessen profiliert sich das Managementteam auch nicht durch heroische Entscheidungen, sondern vielmehr durch bedacht formulierte Annahmen die in wissenschaftlicher Manier dem Markttest ausgesetzt werden.

Lernen Sie, Prototypen zu entwickeln

Lernen Sie, Design Thinking anzuwenden und fördern Sie eine entdeckungsfreundliche Kultur im Unternehmen, bei der anfängliches Scheitern eher ein Zeichen für Stärke als für schlechtes Urteilsvermögen ist. Bauen Sie Fähigkeiten auf, die das Unternehmen zur Entwicklung von Prototypen befähigen. Interagieren Sie mit Kunden, um wertvolles Feedback von ihnen einzuholen, damit Sie eine Orientierung für das Lösungsdesign haben, bevor Sie neue Lösungen implementieren und skalieren. Digital fortschrittliche Unternehmen integrieren dieses Vorgehen als Standardprozess in die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und digitaler Produkte. Sie nutzen nicht nur die Vorteile der schnelleren Markteinführung von Produkten, sondern werden darüber hinaus kundenzentrierter. Sie hören den Kunden zu, um ihre Ideen, Probleme und Bedürfnisse wirklich zu verstehen. Erkunden Sie Technologien proaktiv und lancieren Sie absichtlich kurzfristige Prototypen-Sprint, um die zukünftigen Anwendungsmöglichkeiten und damit das Potential abzuschätzen zu können.

Erschliessen Sie digitale Ökosysteme

Digitale Ökosysteme entstehen branchenübergreifend, lassen bisherige Grenzen verschwimmen und verändern wie Unternehmen die Wertschöpfung für ihre Kunden realisieren. Durch die Nutzung von Zugangspunkten wie APIs nutzen viele Unternehmen Ökosysteme innerhalb und ausserhalb ihrer Branche. Sie teilen und verwenden Daten, um ihren Kunden einen Mehrwert bieten zu können. Durch das Agieren in einem digitalen Ökosystem lässt sich der Technologie-Stack eines Unternehmens besser realisieren und die gemeinsame Nutzung von Cloud-basierten Plattformen mit Dritten in einem Software-as-a-Service-Modell kann den Zugriff auf Funktionen und Daten vereinfachen. Sie können genutzt und zusammengefasst werden, um den Kunden in ihrer spezifischen Situation einen Mehrwert zu bieten. Untersuchungen haben ergeben, dass 79 % der leistungsstärksten digitalen Unternehmen auch an einem digitalen Ökosystem mitwirken.

Bauen Sie starre Strukturen ab

Viele Unternehmen haben mit verschiedenen digitalen Organisationsstrukturen experimentiert und die Verantwortung für die Leitung der digitalen Transformation in die Hände des Geschäfts- und des ITBereichs gelegt oder neue digitale Rollen im Unternehmen eingeführt wie etwa CDOs. Eine «goldene Strategie» gibt es hierbei nicht. Wir haben erlebt, dass Unternehmen erfolgreich waren oder gescheitert sind, indem sie die Verantwortung für die digitale Transformation im Geschäfts- und IT-Bereich angesiedelt oder eine spezielle digitale Geschäftseinheit gebildet haben. 

Abbildung 2

Unerlässlich ist jedoch, starre Strukturen aufzubrechen und das gesamte Unternehmen auf die Transformation vorzubereiten – nicht nur einzelne Geschäftsbereiche. Früher als später wird dabei entdeckt, dass die existierende Kultur tiefgreifend in Frage gestellt wird. Es geht dabei nicht darum, eine «neue Kultur» zu übernehmen, sondern schrittweise die aufkommenden Probleme der Transformation vor dem Hintergrund neuer Paradigmen zu deuten. Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die digitale Transformation weder als eine reine Technologietransformation noch eine rein geschäftsorientierte Transformation verstehen. Vielmehr bauen sie erfolgreich eine Organisationsstruktur auf, die auf funktionsübergreifender Zusammenarbeit und Teams mit diversen Fähigkeiten ausgerichtet ist und sowohl geschäftliche Aspekte als auch Design und Technologie umfasst.

Gewinnen Sie aus Daten Erkenntnisse

Daten sind der Treibstoff der digitalen Transformation aber führende digitale Unternehmen unterscheiden sich nicht durch die Quantität der Daten vom Rest. Massgeblich ist, dass sie Erkenntnisse daraus gewinnen können und diese dann einsetzen, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Dies beinhaltet die Entwicklung einer Datenstrategie und die Investition in taktische Fähigkeiten wie die Stammdatenverwaltung parallel zur Entwicklung analytischer Fähigkeiten. Statt sich jedoch nur auf bestimmte Technologien zu konzentrieren, setzen viele erfolgreiche digitale Organisationen darauf, die richtigen Daten zu ermitteln und sie den richtigen Personen im richtigen Kontext und Format bereitzustellen. Der Schlüssel ist die Investition in die Entwicklung von analytischen Fähigkeiten zur Beurteilung verschiedener Datenquellen und Identifizierung der spezifischen Daten, um daraus wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen. Damit sich erfolgreiche Firmen nicht im Meer an Daten verlieren, empfiehlt es sich, die Auswertung stets aus Sicht des verbesserten Kundenerlebnisses oder höherer Produktivität zu denken.

Finden Sie Ihre strategischen Partner

Das schnelle Aufkommen neuer Technologien und die immer komplexer werdende Auswahl, Entwicklung und Implementierung der geeigneten Lösung führt zu einem breiten Spektrum an digitalen Möglichkeiten. Der Wettbewerb um die klügsten digitalen Köpfe ist in voller Fahrt, da wenige Unternehmen diese rekrutieren oder ausbilden und intern fördern können. Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten damit, wichtiges strategisches Know-how, das für den Erfolg des Unternehmens von entscheidender Bedeutung ist, von Dritten zu beziehen. Unternehmen müssen also akzeptieren, dass bestimmtes neues Know-how auf dem Markt so begehrt ist, dass es praktisch unmöglich ist, dafür Fachkräfte einzustellen. Deshalb sollten Sie Partnerschaften eingehen, um Zugang zu diesem Wissen zu erhalten. Ein Schwerpunkt sollte auf der Entwicklung von Partnerschaftsmodellen liegen, die es Ihnen ermöglichen, sie effizient zu verwalten und skalieren. Auf die gleiche Weise, wie sie verschiedene Ökosysteme nutzen, müssen Unternehmen also nun verstärkt mit verschiedenen Partnern interagieren, die ihre Fähigkeiten ergänzen, um ihre digitale Transformation in Gang zu bringen.

Legen Sie das digitale Fundament

Eine solide digitale Grundlage und Plattform aufzubauen, hat sich als eines der grössten Hindernisse für die Digitalisierung erwiesen. Die Realität für die meisten Unternehmen sieht so aus, dass zahlreiche Back-End-Altsysteme kritische Datenquellen sind. Sie sind jedoch so komplex, dass jegliche Änderung an diesen Systemen mit mühseligen Governance- und Release- Management-Prozessen verbunden ist. Es besteht ein hohes Risiko, dass dabei der Rhythmus und die Energie im digitalen Innovationsprozess zerstört und möglicherweise zeitkritische digitale Releases verzögert. Um dem Rechnung zu tragen, müssen Unternehmen ein kombiniertes, doppelgleisiges IT-Setup betreiben, um auf wichtige Daten zuzugreifen und schnelle Releases zu ermöglichen. Gleichzeitig zur Entwicklung der digitalen Plattform stellen digital fortschrittliche Unternehmen sicher, dass sie ihre alten Technologieressourcen nicht vernachlässigen. Im Fokus steht jedoch dabei weiterhin, kontinuierlich zu investieren und zu optimieren und Schritt für Schritt mehr Services in die Cloud zu verlagern.

Wie geht es weiter?

Neu entstehende Technologien werden die Komplexität und Unsicherheit weiter verstärken. Wir sind sicher, dass sich der radikale Wandel intensiver und auf mehr Branchen auswirkt als je zuvor. Unternehmen, die mutig sind und proaktiv ihr Geschäftsmodell neu aufbauen und ihren Betrieb digitalisieren, statt einfach nur die Massnahmen ihrer Mitbewerber zu wiederholen, werden langfristig erfolgreich sein. Jedes Unternehmen ist jetzt ein digitales Unternehmen und muss in der digitalen Arena auf Sieg spielen.