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Myth #2

Der Gepard ist die natürliche Verkörperung von Lean

Erschienen

April 2020

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Jesse Okpu

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Eine gefährliche, schlanke Tötungsmaschine: Der Gepard ist der König der mit Sonne verwöhnten Savanne. Er besitzt das gesamte Paket - viele Muskeln, kein Körperfett, das schnellste Raubtier an Land. Seine Effizienz ist sagenhaft, weshalb er als Symbol für Geschwindigkeit und Kraft gilt. All diese Eigenschaften stehen sinnbildlich für Lean. Aber tun sie dies wirklich?

Ein Großteil des Genannten ist mit Sicherheit wahr. Der Gepard ist schnell und ein furchterregendes Raubtier. Aber er ist es nicht unbedingt aus den Gründen, an die Sie vielleicht denken, denn Muskeln haben sehr wenig mit der Geschwindigkeit eines Gepards zu tun. Diese sind im Vergleich zu anderen Großkatzen eher schwach. Stattdessen sind sie wie maßgeschneidert, um die erforderliche Arbeit zu erledigen. Ähnlich wie es bei einer gut gestalteten Lean-Aktivität anzunehmen ist.

Es dreht sich viel mehr alles um die Beinproportionen, die Körperlänge und die Energieeinsparung beim Sprinten. Das sollten Sie in der Hoffnung, “The Flash“ (Eine Science-Fiction Figur, die zum schnellsten Menschen der Welt wird) zu werden, bedenken, falls Sie die Tugenden eines Gepards an sich selbst ausprobieren möchten. Falls Sie denken sollten, dass das der Aufbau zusätzlicher Muskeln der Schlüssel zum Erfolg ist, werden Sie sehr wahrscheinlich enttäuscht sein. Anstatt der schnellste Mensch der Welt zu werden, würden Sie zu einem schweren, stämmigen Fleischklops mutieren. Und das macht auch Sinn. Muskeln sind schwer, und schwer bedeutet langsam. Falsche Annahmen sind niemals effizient.

Vielmehr gilt es die Körperstatur des Gepards zu kopieren. Das bedeutet, dass Ihre Nasenlöcher stark vergrößert sind, Ihre Oberschenkel kurz und dick, während Ihre Schienbeine lang und sehr ausfallend sind und Sie künftig schwarze robuste Nägel besitzen. Sie gehen gebückt und Ihr Körper ist lang gestreckt, um den Federeffekt der Wirbelsäule zu erzielen. All das lässt Sie nicht weiter menschlich aussehen. Dafür sind Sie sicherlich sehr schnell unterwegs. Leider nur für eine kurze Zeit, und auch nur wenige Male am Tag.

Weiterhin kann der Gepard nur dann ein Gepard sein, wenn ihm das auch erlaubt wird. Missmanagement birgt immer Probleme in sich. Rund 80 % aller in Gefangenschaft lebenden Geparden leiden an Gastritis, Fettleibigkeit und Hepatitis. Alles aufgrund einer falschen Ernährung durch die Tierpfleger. Ein übergewichtiger Gepard rennt letztlich nirgendwo hin. Wissen ist somit der Schlüssel zur Effizienz.

Auf anderen Ebenen scheint der Gepard ein hervorragendes naturgemäßes Modell für Lean zu sein. Seine Kraft beruht auf dem effizienten Einsatz von Energie während des Laufes. Er läuft niemals, ohne einen Ausblick auf Erfolg zu haben. Er besitzt kein übermäßiges Gewicht und zudem die Gabe, zu wissen, wann man angreift, und wann nicht. Zusätzlich verfügt er über eine außerordentliche Selbstdisziplin. Durch nichts lässt sich ein fokussierter Gepard aus der Ruhe bringen.

Was können Sie also von einem Gepard lernen? Wenn Sie versuchen, Ihr Geschäft entsprechend den Tugenden eines Gepards zu gestalten, müssen Sie zunächst genau verstehen, was diese bedeuten. Sie sollten bereit sein, einige schwerwiegende Änderungen vorzunehmen. Sie müssen den ganzen Weg gehen. Ist Ihnen das zu aufwendig, sollten Sie stattdessen ein anderes Tier in Betracht ziehen – auch Quallen haben beispielsweise viel zu bieten.

Anders Kofoed

Dieser Artikel wurde vom Biologen Anders Kofoed verfasst, der über Natur und Tiere spricht und schreibt. Er ist unter anderem Autor des Buches "100 myter om dyr" (100 Mythen über Tiere). Anders ist auch aus TV2 „Kofoed og dyrerne“ (Kuhfutter und die Tiere) bekannt. Anders hat uns dazu inspiriert, unsere Mythen über Lean zu verfassen.