Event in Zurich

Healthcare Symposium 2019

Value-Based Healthcare: Wert für wen und wie?

Datum

5. Juni 2019

Die Impulsreferate und Breakout-Sessions, aber auch die wertvollen Gespräche, die wir mit unseren Gästen führen durften, bestätigen die hohe Relevanz von «Value Based Healthcare» für das Schweizer Gesundheitswesen. Von einer stärkeren Orientierung an der Wirkung medizinischer Interventionen und an den effektiv anfallenden Kosten profitieren Patienten und Leistungserbringer gleichermassen.

Es hat sich gezeigt, dass gerade im interdisziplinären Dialog innovative Lösungsideen entwickelt werden können. Wenn Spezialistinnen und Spezialisten aus Pharma, Spitalumfeld, Medtech und Versicherungen miteinander diskutieren, wird verhindert, dass nur aus der Perspektive einer Anspruchsgruppe gedacht wird. Wir bedanken uns bei unseren Gästen, dass sie dies möglich gemacht haben.

Gerne stellen wir die am Event gezeigten Folien und die aufbereiteten Ergebnisse zum Download bereit:

Fünf Diagnosen und mögliche Therapien

Als Anregung für weiteres Nachdenken möchten wir auf Basis der Diskussionen zu «Value-Based Healthcare» ausserdem fünf Diagnosen wagen und dazu mögliche Therapien andenken.

Diagnose 1: Value-Based Healthcare ist unbestritten, aber…

Viele Überlegungen zu «Value-Based Healthcare» erweisen sich als ebenso unbestritten wie jene zu «Kundenorientierung». Deren Konkretisierung und Umsetzung ist aber nicht einfach, insbesondere nicht in einem System, das andere Anreize setzt. In der Diskussion fallen die vielen Stolpersteine auf, die offensichtlich daran hindern, konkrete Schritte in Richtung «Value-Based Healthcare» zu gehen.

Therapie: Griffige, einleuchtende Use Cases können dabei helfen aufzuzeigen, wie «Value» im Kleinen geschaffen werden kann. Darin ist zu zeigen, mit welchen Massnahmen Wirkung für Patienten bei gleichen Kosten verbessert oder Kosten bei gleicher Wirkung reduziert werden können.

Diagnose 2: Spielräume sind vorhanden, aber …

Trotz oder gerade wegen des viel zitierten «Reformstaus» lohnt sich der Hinweis, dass die Spielräume bereits unter den heutigen Rahmenbedingungen gross sind. Allerdings fehlt es an Entschlossenheit, Mut und Initiative, Spielräume zu nutzen und mit Leben zu füllen.

Therapie: Es lohnt sich, die vermeintlichen Barrieren und Grenzen zu identifizieren und zu fragen, mit welchen heute autonom umsetzbaren Massnahmen im eigenen Verantwortungsbereich Wirkung für Patienten verbessert und / oder anfallende Kosten gesenkt werden können.

Diagnose 3: «Value» wird interdisziplinär geschaffen, aber …

An der Schaffung von «Value» sind immer mehrere Akteure beteiligt. Ihre Zusammenarbeit ist daher zentral. Im facettenreichen und durch Partikularinteressen geprägten Gesundheitswesen hat die interdisziplinäre Kooperation grosses Potenzial. Sie fällt aber schwer, und allein schaffen es die zahlreichen Leistungserbringer, Zulieferer, Versicherungen und Gesundheitsdirektionen nicht.

Therapie: In einem überschaubaren interdisziplinären Setup rund um eine definierte Patientengruppe kann erforscht werden, wie durch konkrete Kooperation die Wirkung für Patienten verbessert und allenfalls auch entlang der Patient Journey anfallende Kosten reduziert werden können.

Diagnose 4: Verschwendungen sind offensichtlich, aber …

In der Schweiz werden in den nächsten 15 Jahren rund 15-20 Milliarden Franken für Spital-Neubauten anfallen, obwohl aus der Sicht des profilierten Gesundheitsmediziners Thomas Zeltner ein Viertel ausreichen würde. Eigeninteressen verhindern die Vermeidung von Verschwendungen.

Therapie: Potenziale und Verschwendungen sollten vermehrt aus Verbundsicht beurteilt werden. In freiwilligen Kooperationen von Spitälern kann gezeigt werden, dass eine Zusammenarbeit und auch eine Redimensionierung von Kapazitäten und Leistungen eine Win-Win-Situation sein kann.

Diagnose 5: Das Medikament sucht seinen Patienten, aber …

In der personalisierten und Präzisionsmedizin ist es weniger der Patient, der das passende Medikament sucht, sondern vielmehr das Medikament, das den passenden Patienten sucht. Damit diese Suche gelingt, muss jedoch genug über potenzielle Patienten bekannt sein. Deshalb braucht es die Bereitschaft, nicht nur Blut, sondern vermehrt auch Daten zu spenden.

Therapie: Unterstützt durch Erfahrung aus internationalen Studien, kann für eine Patientengruppe konkret aufgezeigt werden, welchen Nutzen der Austausch von Daten konkret mit sich bringt.

Wir möchten uns auch auf diesem Weg noch einmal bei unseren Impulsreferenten für die folgenden Beiträge herzlich bedanken:

  • Gesundheitswesen im Wandel, Prof. Dr. Thomas Zeltner (Präsident und Vorsitzender des Verwaltungsrates, Krankenversicherungsgruppe KPT)
  • The Impact of Personalized Medicine, Dr. Katarina Hajdin (Medical Science Liaison, Personalized Healthcare, Roche Pharma)
  • Value Based Healthcare im Einsatz, Dr. Florian Rüter (Leiter Qualitätsmanagement), Dr. Christian Abshagen (Leiter Medizin- und Finanzcontrolling) und Dr. Sabrina Gänsbacher (Medizin- und Finanzcontrolling, alle Universitätsspital Basel)

Praktische Infos

Wo

Giesserei Oerlikon,
Birchstrasse 108,
8050 Zürich
Schweiz 

Wann

5. Juni 2019,
13:30-17:00 Uhr.